"Accessibility" heißt "Zugänglichkeit"
- ein kleiner Beitrag zum Abbau von Verständnisbarrieren.
Accessibility - Zugänglichkeit von Webseiten für Menschen mit Behinderungen - das war lange nur ein Thema für Spezialisten. Seit einiger Zeit reden viele davon, und einige, die alles andere als Spezialisten sind, versuchen sogleich, aus der Neuentdeckung ein Geschäft zu machen. Weshalb leider bei vielen Angeboten, die das Etikett "Accessibility" tragen, alles andere als Accessibility drin ist, doch dazu ein andermal.
Die Gründe für das plötzliche Interesse sind leicht zu sehen: Im Zuge der Erarbeitung von Antidiskriminierungsgesetzen verlangen immer mehr Regierungen auch von ihren Lieferanten für Web-Dienstleistungen, daß die Informationen auf den Webseiten staatlicher Stellen zugänglich für möglichst alle Bürger sein sollen - z.B. für Blinde. In Deutschland gilt seit 2002 die Barrierefreie Informationstechnik- Verordnung (BITV). Sie legt in Anlehnung an internationale Standards detailiert fest, welche Zugänglichkeitsanforderungen die Webseiten der Einrichtungen des Bundes zu erfüllen haben.
Inzwischen sind diese Vorschriften - teilweise allerdings in stark verwässerter Form - auch auf Webangebote der meisten Bundesländer ausgedehnt worden. Darüber hinaus werden die durch das Gesetz ermöglichten "Zielvereinbarungen" zwischen Interessenverbänden und kommerziellen Anbietern einen Teil dieser Vorschriften auch für nicht-staatliche Webauftritte verbindlich machen. In diesem Frühjahr Hat das Pharmaunternehmen Pfizer als erstes Großunternehmen eine solche Zielvereinbarung mit Behindertenverbänden abgeschlossen und sich darin zu einer deutlichen Absenkung der Barrieren on seinen Webauftritten verpflichtet.
Wer braucht "Accessibility?
Es gibt aber auch ein zunehmendes Interesse von "kleinen" Anbietern, Barrieren abzubauen und ihre Reichweite zu erhöhen - schließlich setzen nicht nur Behinderte "special devices" ein, auch immer mehr "mobile Manager" gehen mit PDA oder Handy ins Netz und stoßen dabei auf die gleichen Barrieren wie z.B. die Anwender von Lesemaschinen. Auch die Agents von Suchmaschinen erfassen den Inhalt von Seiten, die auf Zugänglichkeit optimiert worden sind, wesentlich bereitwilliger.
Das Streben nach größerer Reichweite und besserer Auswertung durch Suchmaschinen trifft sich also mit dem berechtigten Interesse auch von behinderten Anwendern, Zugang zu möglichst vielen Webseiten zu erhalten - auch wenn sie, aus welchem Grund auch immer, eine andere Technik verwenden wollen oder müssen als die große Mehrheit.
Zugänglichkeit ist daher ein Thema für alle. Allerdings ist Zugänglichkeit nicht für alle gleich leicht zu erreichen: Webseiten, die, wie es bisher eher die Regel ist, ohne Berücksichtigung der Webstandards gebaut worden sind, lassen sich oft nur mit großen Schwierigkeiten den Zugänglichkeitsanforderungen anpassen - wenn überhaupt. Genaugenommen ist nämlich die Einhaltung der technischen Standards Bestandteil der Zugänglichkeits-Anforderungen. Standardkonforme Arbeitsweise jedenfalls trägt nicht nur ganz erheblich dazu bei, den Bau von Seiten für moderne Browser zu erleichtern und den Bandbreitenbedarf teilweise dramatisch zu reduzieren. Standardgemäß geschriebene Seiten weisen auch von Anfang an ein hohes Maß von Zugänglichkeit für "special devices" jeder Art auf - für Robots von Suchmaschinen ebenso wie für akustische Lesemaschinen oder Braille-Reader. Wer sauberes (X)HTML baut und nach einer "strikten" DTD validiert, bekommt ohne weiteren Aufwand einen guten Teil Accessibility mitgeliefert.
Barrieren vor der Barrierefreiheit
Warum es dann nicht mehr gut zugängliche Seiten gibt? Zwei Ursachen spielen hier eine ganz entscheidende Rolle.
1. Heute bestehen nur noch die wenigsten Webauftritte aus mit der Hand geschriebenen statischen Seiten. Die meisten kommen aus einem Content-Management-System (CMS) - selbst da, wo der Umfang des Webangebots und seine Aktualisierungshäufigkeit das gar nicht verlangen würden. Und die weitaus meisten CMS lassen sich nur mit beträchtlichem Aufwand dazu überreden, standardkonforme und barrierearme Seite zu produzieren, bei einigen ist es sogar völlig unmöglich. Wer ein solches barrierenproduzierendes CMS einsetzt und noch lange nicht abgeschrieben hat.
2. Es reicht nicht aus, einen Webauftritt einmal barrierearm zu konzipieren und online zu stellen. Jeder neu ins Netz gestellte Inhalt muß ja ebenfalls die Anforderungen der Barrierefreiheit erfüllen - und das ist in der Praxis gar nicht so leicht zu erreichen. Nur in sehr großen Einrichtungen wird es eine kompetente Webredaktion geben, die alle Inhalte mit dem Ziel der Barrierenbeseitigung überarbeitet. Vielfach werden die "Contentproduzenten" selbst dafür sorgen müssen, daß diese Anforderungen erfüllt werden. Das bedeutet Schulung, Aufgabe altgewohnter Verhaltensweisen, zusätzlichen Zeitaufwand und damit auch höhere Kosten.
Die technischen Probleme der Zugänglichkeit sind relativ leicht zu bewältigen, und es ist im Prinzip auch nicht teurer, standardgemäß gebaute Seite ins Netz zu stellen als Kraut- und Rüben-Code. Schwierig wird es in dem Moment, wo eine vorhandene technische Infrastruktur Standardkonformität oder Barrierefreiheit gar nicht zuläßt oder wo veraltete Arbeitsprozesse gewohnheitsmäßig Dokumente produzieren, die mit modernen Techniken nicht weiterverarbeitet werden können, und somit nicht nur im Internet ständig Barrieren, Medienbrüche und andere Blockaden verursachen.
Kommkonzept baut Barrieren ab!
Kommkonzept unterstützt große Einrichtungen bei der Konzeption und Realisierung von Projekten, die auf die volle Realisierung der BITV- bzw. WAI-Richtlinien abzielen. Ein interessantes Wirkungsfeld sehen wir jedoch auch da, wo kleinere Anbieter versuchen, ihre allgemeine Zugänglichkeit zu verbessern. Wir können helfen, mit möglichst geringem Aufwand möglichst viel Zugänglichkeit zu erreichen. Die WAI-Richtlinien dienen uns auch in solchen Fällen als Orientierung. Aber wir wollen niemandem, der dazu nicht gesetzlich verpflichtet ist, dazu drängen, auch die entlegeneren Forderungen der Zugänglichkeitsstandards zu erfüllen. Und in jedem Fall ist es selbstverständlich, daß zugängliche Webauftritte nicht aussehen wie "auf Kassenrezept" geliefert, sondern wie andere professionell gestaltete Wesbseiten auch.
Accessibility ist kein Selbstzweck. Wir glauben, daß wir mit pragmatischem Herangehen mehr für die Erreichung einer möglichst großen Zahl möglichst zugänglicher Seiten tun können, als wenn wir auf hundertprozentige Erfüllung der gelegentlich etwas lebensfremd anmutenden Anforderungen abzielen.
Noch Fragen? Versuchen Sie's doch mal mit der Telefonnummer ganz unten.